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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Der Ausbruch des Weltkrieges

von langer Hand getroffen und bekannt waren, ein Auf-sehen erregt haben würde, das die friedliche Entwirrungder Lage hätte erschweren müssen; man nahm ferner an,daß die von der Wiener Regierung eingeleitete Unter-suchung der mit dem Attentat von Serajewo zusammen-hängenden Vorgänge, auf deren Ergebnis Österreich-Ungarn seine Forderungen an Serbien aufzubauen gedachte,und ebenso die Vorbereitungen, die Österreich-Ungarntreffen mußte, um seinen Forderungen Nachdruck zu geben,einige Zeit erfordern würden; und schließlich rechnete manbei uns mit einer Zuversicht, die ich nach meiner Ein-schätzung der für die weitere Entwicklung bestimmendenFaktoren nicht ganz zu teilen vermochte, mit einem gutenAusgang, wie er durch unser klares und festes Eintretenfür den Bundesgenossen in den früheren ähnlichen Lagenherbeigeführt worden war.

Meine eigne, weniger zuversichtliche Auffassung derDinge erfuhr in der weiteren Entwicklung durch allerleiAnzeichen, die in der Öffentlichkeit merkwürdig wenig Be-achtung fanden, immer mehr ihre Bestätigung. Das großePublikum verharrte noch in einer für mich von Tag zu Tagunbegreiflicheren Sorglosigkeit, als unsere offiziös bedientePresse bereits deutliche Warnungssignale gab, als z. B.dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" am 19. Juli in einemsehr ernsten Artikel über Deutschlands Haltung aus=führte, nur durch ein rechtzeitiges Einlenken Serbienskönne eine Krisis vermieden werden, deren Lokalisierung

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