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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
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Deutschlands Bundestreue

versichern, daß eine Aktion, die er für notwendig hielte, umder gegen den Bestand der Monarchie gerichteten Bewegungin Serbien ein Ende zu machen, unsere Billigung findenwürde."

Aus dieser Haltung hat die deutsche Regierung nieman-dem gegenüber ein Hehl gemacht, weder gegenüber dereigenen Öffentlichkeit, noch auch gegenüber den an derweiteren Entwicklung der Dinge interessierten fremdenRegierungen. Ich habe in jener Zeit aus Unterhaltungenmit meinen Freunden im Auswärtigen Amt den bestimm-testen Eindruck gewonnen, daß man dort fest davon über-zeugt war, in Fortsetzung der bisherigen Politik durch dieoffene Gewährung voller Rückendeckung an Österreich-Ungarn die erstrebte Lokalisierung des drohenden Kon-fliktes zwischen der Donaumonarchie und Serbien amsichersten erreichen zu können.

Auf der andern Seite wollte man jede überflüssige Be-unruhigung vermeiden. Man sagte sich wohl, daß in sol-chen Zeiten kritischer Hochspannung Beunruhigung undMißtrauen sich wechselseitig steigern und schließlich zupositiven Maßnahmen führen können, die gerade jene Ent-wicklung, die man zu vermeiden wünscht, unvermeidlichmachen.

Aus solchen Erwägungen heraus erklärt es sich, daß derKaiser trotz der noch gänzlich ungeklärten Lage am 6. Julidie Nordlandsreise antrat. Man fürchtete, daß ein Aufgebender jährlichen Nordlandsreise, für die alle Dispositionen

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