Deutschland und die Abfassung des Ultimatums
in Zusammenhang gebracht mit einem Kronrat, der unterVorsitz des Deutschen Kaisers und unter Beteiligungösterreichisch - ungarischer hoher Militärs •— genanntwurden der Erzherzog Friedrich und der FeldmarschallConrad von Hötzendorff — am 5. Juli 1914 in Potsdamstattgefunden und die Rollen in dem zum Kriege führen- ■den Spiel verteilt haben soll. Auch die bekannte Denk-schrift des Fürsten Lichnowsky nimmt auf diesen angeb-lichen Kronrat Bezug; desgleichen eine später von denUnabhängigen Sozialdemokraten verbreitete und auchim Hauptausschuß des Reichstags zur Sprache ge-kommene Aufzeichnung des Herrn Dr. Mühion, der zujener Zeit stellvertretender Direktor bei Krupp warund der sich für seine Darstellung auf Äußerungen be-zieht, die ich ihm gegenüber damals in einer vertrau-lichen Unterhaltung geschäftlichen Charakters gemachthaben soll. Auch ein Bericht des bayrischen Legations-rates Dr. von Schön, den der sozialistische bayrischeMinisterpräsident Eisner im November 1918 veröffent-licht hat, ist benutzt worden, um den Kaiser unddie deutsche Regierung als Anstifter des österreichisch-ungarischen Ultimatums hinzustellen und die Be-kundung, daß die deutsche Regierung an der Abfassungdes Ultimatums nicht beteiligt gewesen sei und vonseinen Einzelheiten vorher keine Kenntnis gehabt habe,Lügen zu strafen.
Mir ist über den tatsächlichen Hergang folgendes bekannt:
12 Helfferich, Vorgeschichte
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