Der Ausbruch des Weltkrieges
Nach dem Attentat von Serajewo hat die deutscheRegierung sich rückhaltlos auf den von der österreichisch-ungarischen Regierung vertretenen Standpunkt gestellt,daß der Bestand der Donaumonarchie durch die groß-serbische Bewegung bedroht und die österreichisch-unga-rische Regierung berechtigt sei, wirksame Maßnahmengegen diese Bedrohung zu ergreifen. Die deutsche Regie-rung hat ferner, an dem ersten Grundsatze der Reichs-politik festhaltend, die Erhaltung Österreich-Ungarns alsein eigenes Lebensinteresse angesehen und deshalb auchjetzt wieder der Wiener Regierung die Zusicherung ge-geben, daß Deutschland Österreich-Ungarn bei der Wah-rung seiner Lebensinteressen zur Seite stehen werde. DerKaiser hat diese Stellungnahme in den Besprechungen,die zwischen dem Attentat und dem Antritt der Nord-landsreise stattfanden, gutgeheißen. Man war sich klardarüber, daß diese Haltung das Deutsche Reich in einenösterreichisch-russischen Konflikt hineinziehen und damitden Weltkrieg heraufbeschwören könne. Aber wie in denJahren 1908/09 und 1912/13 hoffte man, der Gefahr einesösterreichisch-russischen Konflikts durch eine klare undentschiedene Stellungnahme am besten vorbeugen zukönnen. Das alles konnte damals jedermann hören, dersich im Auswärtigen Amt über den Stand der Dinge unter-richten wollte.
Die Legende von dem Potsdamer Kronrat ist schonim Juli 1914 in Berlin in Umlauf gebracht worden,
178