Die Wirkung des Ultimatums in Deutschland
mir auch gelungen, wenn nicht der unselige Zar sich dieMobilmachungsorder hätte abpressen lassen."
Ich habe aus meinen eignen Wahrnehmungen in der kriti-schen Zeit denEindruckgewonnen, daß denleitendenKreisenin Deutschland nichts ferner lag, als einen Krieg herbeiführenzu wollen. Wenn der deutschen Politik in jener Zeit einVorwurf zu machen ist, so ist es vielmehr der, daß sie die Ge-fahr des Krieges nicht ernst genug ins Auge faßte, sondern zusehr von der friedlichen Lösung des Konfliktes überzeugtwar, und daß deshalb weder militärisch, noch diploma-tisch, noch wirtschaftlich die in Hinblick auf die Möglich-keit des Kriegs erforderlichen Vorbereitungen getroffenworden sind.
In militärischer Beziehung liegt mir hierfür ein merk-würdiges Dokument vor. In einer Sitzung des Hauptaus-schusses des Reichstages im Jahre 1917 hatte der Unab-hängige Sozialdemokrat Dr. Cohn-Nordhausen die Be-hauptung aufgestellt, im Anschluß an den angeblichenKronrat vom 5. Juli 1914 seien alsbald militärische Vor-kehrungen getroffen, u. a. die sofortige kriegsmäßigeVerproviantierung der elsaß - lothringischen Festungenangeordnet worden. Das gab mir Veranlassung, dasKriegsministerium um Feststellung des Tatbestandes zubitten. Es stellte sich heraus, daß in der Tat wenigeTage nach dem 5. Juli 1914 ein Erlaß über die Verprovian-tierung der elsässischen Festungen hinausgegangen war.Dieser Erlaß lautete wie folgt:
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