Kriegserklärungen an Frankreich und Rußland
Gegner uns überlegen waren. Ich habe z. B. damals schondie förmlichen Kriegserklärungen an Rußland und Frank-reich als einen überflüssigen und schädlichen Ausfluß über-triebener formalistischer Gewissenhaftigkeit angesehen.Wir wußten, daß Rußland den Krieg unter allen Umstän-den wollte und durch nichts — außer durch den nicht ein-setzenden englischen Gegendruck — zu halten war. Inder Tat haben russische Truppen und Banden die ost-preußische Grenze bereits vor Ablauf der von uns am3i. Juligestellten Frist und vor der Überreichung unserer Kriegs-erklärung überschritten und damit den Kriegszustandherbeigeführt. Wozu hatten wir es nötig, durch eine förmlicheKriegserklärung uns auch nur rein formell in die schlechterePosition des Angreifers zu bringen? — Wir wußten, daßFrankreich Rußland gegenüber zur Waffenhilfe verpflichtetund entschlossen war. Wozu mußten wir durch eine for-melle Kriegserklärung der französischen Regierung denNachteil der Vorhand abnehmen ? — Nach meinem Gefühlwäre es richtiger gewesen, nach dem Wort eines klugenFranzosen zu verfahren: „II ne faut jamais mettre lespoints sur les I's! Durch unsern formalistischen Eiferhaben wir das Spiel der Gegner gespielt und den äußerenAnschein der tatsächlichen Vorgänge zu unsern Ungunstenverschoben.—Dasselbe gilt nach meiner Ansicht für unsreBehandlung der belgischen Neutralitätsfrage. Auch hierhaben wir uns formal ins Unrecht gesetzt, wie mirspäter erklärt worden ist, um der belgischen Regierung
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