Der Ausbruch des Weltkrieges
Deutschland hatte alle Mittel erschöpft, um die Welt-katastrophe des Kriegs zu verhindern. Die russischenHeeresmassen rollten unaufhaltsam nach den deutschenGrenzen. Die Antworten auf die befristeten deutschen An-fragen in Petersburg und Paris blieben immer noch aus.Vor dem Berliner Schloß, in dem jetzt die Entscheidungfallen mußte, wartete das Volk in atemloser Spannung.Am Nachmittag verbreitete sich plötzlich das Gerücht, Ruß-land habe seine Mobilmachung eingestellt. Aber ebensorasch war festgestellt, daß immer noch keine Nachrichtvorliege. Um halb sechs Uhr riefen Generalstabsoffiziere,vom Schlosse über die Linden fahrend, aus ihren Autos:„Mobilmachung!"
Schon vorher, um 3 Uhr 40 Minuten nachmittags, hattedie französische Regierung die allgemeine Mobilmachungverfügt.
Das Rad des Schicksals war jetzt im unaufhaltbarenRollen. Ein Zurück gab es nicht mehr. In allen beteilig-ten Ländern standen die Entschlüsse fest. Alles, was jetztnoch geschah, war Taktik und Formalität.
So sehr ich auch heute noch, nach dem unglücklichenVerlauf des Krieges, überzeugt bin, daß uns in der Sachekeine andere Wahl blieb, daß unsere Feinde den Krieggewollt und uns den Weg des Krieges vorgeschrieben haben,ebenso sehr war ich damals schon als nicht unmittelbarbeteiligter Zuschauer und Beobachter der Meinung, daßin den Fragen der Taktik und der Formalitäten unsere
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