Neue russische Offensive
Daß die neue russische Regierung gleichzeitig Schrittein Aussicht stellte, um ihre Verbündeten für einen Friedenohne Annexionen und Entschädigungen und des Selbst-bestimmungsrechts der Völker zu gewinnen, konnte die Tat-sache nicht aus der Welt schaffen, daß auch nach diesemUmschwung an einen Sonderfrieden mit Rußland, unddamit an Frieden überhaupt, noch nicht zu denken war.
Eine in der ersten Maihälfte aus den Kreisen des russi-schen Arbeiter- und Soldatenrates angeregte vertraulicheAussprache mit deutschen Vertretern an der Dünafrontverlief unter diesen Umständen ergebnislos. Ja es gelangdem Druck der Ententemächte, das neue russische Kabinettzu veranlassen, gegen Ende Juni 1917 die russischenHeere zu einer neuen großen Offensive gegen Deutsch-land vorzuschicken. Die Offensive war von Kerenski, derals Vertreter der revolutionären Massen in das Kabinetteingetreten war, vorbereitet und befohlen worden. WenigeWochen nach ihrem Beginn ersetzte Kerenski den FürstenLwoff als Ministerpräsident. Die Auflehnung der AnhängerLenins, der Bolschewisten, gegen die Kriegspolitik wurdeblutig unterdrückt, Lenin selbst mußte sich längere Zeithindurch verborgen halten.
So war es um die Mitte des Jahres 1917 offenkundig,daß der Friede mit Rußland, den man von der Revolutionerhofft hatte, nur durch einen neuen Schlag gegen dierussische Armee gebracht werden konnte.
27