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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Verhalten Österreich- Ungarns zum U- Bootkrieg

und Dover nach England gegangen und hätten den nörd-lichen U- Bootkrieg paralysiert. Um aber den U- Bootkriegin der Adria führen zu können, mußten wir den Deutschenunsere Stützpunkte, wie Pola, Triest und Cattaro, über-lassen. Taten wir dies, so machten wir de facto den U- Boot-krieg mit. Unterließen wir es, so fielen wir damit Deutsch-land in den Rücken und verhinderten seinen U- Bootkrieg,d. h. wir kamen in direkten Konflikt mit Deutschland. Sogaben wir zu diesem Vorschlag mit schwerem Herzen unsereEinwilligung, nicht gewonnen durch Argumente, aber be-zwungen durch die Ohnmacht, anders handeln zu können."

Diese Außerung zeigt, mit welchem Widerstreben mansich in Wien zur Beteiligung an dem uneingeschränktenU- Bootkrieg entschloß; sie zeigt aber noch mehr: DieBemerkung des Grafen Czernin, daß er damals ernstlichdie Absicht ventiliert habe, sich in dieser Frage von Deutsch-land zu trennen, wirft ein Streiflicht auf die Gestaltungder Beziehungen zwischen den beiden Bundesgenossen.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn stand seit dem Ausbruch des Krieges unter derWirkung starker, sich teilweise widerstreitender Einflüsse.

Der Krieg war entstanden aus einem Anlaß, der vonden österreichisch- ungarischen Staatsmännern als eineunmittelbare Lebensfrage der Donaumonarchie aufgefaßtworden war, während er uns nur mittelbar dadurchberührte, daß die Erhaltung Österreich- Ungarns vonder deutschen Politik als ein vitales Interesse auch für uns

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