Brief Kaiser Karls an Sixtus von Parma
den Deutschen Kaiser auf die sofortige Ernennung des Erz-herzogs Karl Stephan zum Regenten und seine Designierungzum König von Polen festzulegen suchte, machte er unsmit dem Grafen Czernin die Zumutung, daß wir Elsaẞ-Lothringen herausgeben sollten. Und an demselben13. April, an dem der Kaiser Karl die Denkschrift desGrafen Czernin an Kaiser Wilhelm abschickte, sandte erihm ein Telegramm, in dem er die Zustimmung desDeutschen Kaisers erbat, dem Erzherzog Karl StephanMitteilung von den ihn betreffenden Absichten machenzu dürfen!
Bekannt war uns ferner, daß seit einiger Zeit der frühereösterreichisch- ungarische Botschafter in London, GrafMensdorff, in der Schweiz weilte, um dort mit Vertrauens-leuten der Entente Fühlung zu nehmen.
Nicht bekannt dagegen war uns damals der im Früh-jahr 1918 von der französischen Regierung veröffentlichteBrief des Kaisers Karl an seinen Schwager, den PrinzenSixtus von Parma. In diesem Briefe hieß es nach derfranzösischen Version, die zunächst von der Wiener Re-gierung als ,, verfälscht" bezeichnet worden ist, an derenRichtigkeit aber nach dem Verlauf der Auseinandersetzungzwischen Herrn Clemenceau und dem Grafen Czernin einZweifel wohl kaum mehr möglich ist:
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,, Mein lieber Sixtus! Das Ende des dritten Jahresdes Krieges, der so viel Trauer und so viel Schmerzen indie Welt brachte, rückt heran. Alle Völker meines Reiches
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