Vom U- Bootkrieg bis zur Friedensresolution
ihn unter Beifall und Händeklatschen ab. Es kam zurSpaltung der sozialdemokratischen Fraktion: der linkeFlügel, die heutigen ,, Unabhängigen Sozialdemokraten"schieden aus und schlossen sich als ,, SozialdemokratischeArbeitsgemeinschaft" zu einer besonderen Fraktion
zusammen.
Aber auch die alte sozialdemokratische Partei, die,, Mehrheitssozialdemokraten" machten eine wichtigeSchwenkung. Sie hatten schon gegen die Kriegssteuerngestimmt, soweit diese den Verbrauch und Verkehrbelasteten. Nun erklärte am 7. Juni 1916 bei der drittenLesung des Hauptetats für das Jahr 1916 der AbgeordneteEbert namens der sozialdemokratischen Fraktion, daß dieAufnahme der neuen Steuern in den Etat sie veranlasse,gegen den Etat zu stimmen. Er fügte hinzu, mitbestimmendfür diesen Entschluß der Etatsverweigerung sei gewesen,daß in der inneren Politik die notwendigsten Forderungenpolitischen und sozialen Fortschritts unberücksichtigtgeblieben seien. In der ersten Periode des Krieges habenoch mit einem Schein von Berechtigung gesagt werdenkönnen, daß ein Ausbau der politischen Zustände mittenim Krieg allzu große Schwierigkeiten bereite. In denzweiundzwanzig Kriegsmonaten sei es jedoch sehr wohlmöglich gewesen, die Bahn zum Neuen frei zu machen.Noch immer verlaute nichts von der Reform des Klassen-wahlrechtes in Preußen und in anderen Bundesstaaten.Auf dem Gebiet der Volksernährung habe die Regierung
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