Die Frage des gleichen Wahlrechts für Preußen
zum Vortrag angesagt hatten, wovon dem Kanzler durchden Kriegsminister Mitteilung gemacht worden war. DerKanzler bat den Kaiser telegraphisch um seine Zuziehung.Der Kaiser kam nachmittags um dreieinhalb Uhr an undfuhr vom Bahnhof direkt zum Kanzler, der ihm über dieinnerpolitische Lage Vortrag hielt; der Kaiser behielt sichseine Stellungnahme vor. Dann empfing der Kaiser imSchlosse Bellevue die Generale zur Entgegennahme einesVortrages, der sich jedoch auf militärische Angelegen-heiten beschränkte. Hindenburg und Ludendorff reistenam Abend nach dem Hauptquartier zurück.
Auf einen weiteren Vortrag, den der Kanzler am Sonn-tag vormittag dem Kaiser hielt, setzte dieser für denMontag abend einen Kronrat über die Frage des gleichenWahlrechts an. Am Abend fand im Kreise des Staats-ministeriums eine Vorbesprechung statt, in der Herr vonBethmann erklärte, er halte die Notwendigkeit der Ge-währung des gleichen Wahlrechts für so zwingend, daßer, falls die Entscheidung der Krone gegen das gleicheWahlrecht ausfallen sollte, nicht mehr in der Lage seinwürde, die Geschäfte weiterzuführen.
Der Kronrat fand Montag, den 9. Juli, abends sechsUhr, im Kongreßsaal des Reichskanzlerhauses unter Vor-sitz des Kaisers statt. Außer den Staatsministern warensämtliche Staatssekretäre des Reiches zugezogen worden.Der Kaiser beschränkte sich auf eine kurze Ansprache,in der er auf die Notwendigkeit einer ruhigen, von keiner
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