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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Vaterlandspartei

In der Erregung der Mehrheitsparteien über die Agitationder Vaterlandspartei zeigte sich wieder einmal der un-politische Sinn des Deutschen. Einer jeden Regierung, aucheiner solchen, die einen Verständigungsfrieden, ja einenVerzichtfrieden zu machen entschlossen ist, kann einestarke nationale Bewegung nur willkommen sein. Siesteht bei allen Verhandlungen ungleich besser da, wennsie dem anderen Teil vorhalten kann, wie schwer es ihrwerden wird, Zugeständnisse vor dem eigenen Volkezu vertreten und zu rechtfertigen, als wenn der andereTeil in der Lage ist, sie darauf hinzuweisen, daß ihr Volksich längst mit jedem Zugeständnis abgefunden habe, ja umdes Friedens willen die weitestgehenden Zugeständnisseverlange. Angriffe, die aus einer, sei es auch überspanntennationalen Gesinnung kommen, müssen in solchen ent-scheidungsschweren Lagen hingenommen und ertragenwerden, wenn sie die eigene Position gegenüber demVerhandlungsgegner stärken; sie müssen hingenommenund ertragen werden nicht nur von den leitenden Staats-männern, sondern auch von den Parteiführern, die denEhrgeiz haben, die Politik mitzubestimmen. Darüber habeich mich in den kritischen Tagen des Herrn Michaelismehrfach mit leitenden Persönlichkeiten der Mehrheits-parteien ausgesprochen, um ihre Erregung gegen dieVaterlandspartei zu mildern und um ihnen begreiflich zumachen, daß der Kanzler, ohne der deutschen Sache zuschaden, gar nicht in der Lage sei, in der von ihnen

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