Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis
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Michaelis den mißglückten Versuch vom 22. August nach-trugen, die Fesseln der Friedensresolution zu lockern, eskam vielmehr hinzu, daß sie aus seinem bisherigen Auf-treten den Schluß zogen, daß er dem schweren Amtedes Reichskanzlers nicht gewachsen sei, und weiter, daßsich bei ihnen das zutreffende Gefühl verstärkt hatte,daß Herr Michaelis im Grunde seines Herzens den Rechts-parteien näherstehe als der Reichstagsmehrheit, mit derzu regieren er übernommen hatte.
Die hieraus sich ergebenden Konfliktsmöglichkeitenwurden verschärft durch die Gegenwirkung, die sich gegendie in der Friedensresolution des Reichstags zum Aus-druck gekommene Politik eingestellt hatte. Die Gründungder ,, Vaterlandspartei", die den Kampf gegen die ,, Resolu-tionsmehrheit" und den ,, Verzichtfrieden" auf ihre Fahnenschrieb, der starke Zulauf, den die Vaterlandspartei gleichnach ihrer Gründung zu verzeichnen hatte, ihre eifrigePropaganda und ihre scharfen Angriffe gegen die Trägerder Mehrheitspolitik, das alles erhitzte die Gemüter.Der Verdacht der Begünstigung der Vaterlandsparteidurch die Reichsleitung und die preußische Staatsregierungoder zum mindesten durch deren Organe, vor allem aberdurch die Oberste Heeresleitung und die Militärverwaltunggab der täglich heißer werdenden Kampfstimmung eineRichtung gegen den für die Leitung der Reichspolitikverantwortlichen und ohnedies in seiner Gesinnung nichtunverdächtigen Reichskanzler.
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