Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis
voraus auf die Erklärungen des Herrn von Capelle hin-zuweisen.
Ich tat während des Fortgangs der Sitzung in Unter-haltungen mit Führern der bürgerlichen Parteien meinmöglichstes, um diese davon abzuhalten, aus dem vor-liegenden Anlaß einen neuen Sturm gegen den Reichs-kanzler zu inszenieren. Man mochte das Vorgehen desReichskanzlers und des Staatssekretärs des Reichsmarine-amts vom Standpunkt der Taktik, der Zweckmäßigkeitund der Rücksicht auf die Reichstagsparteien beurteilenwie man wollte,- über die schweren Gefahren der Agitationder Unabhängigen Sozialdemokraten in der Marine undim Heer konnte sich kein politisch denkender Menscheinem Zweifel hingeben. Zudem sprach im vorliegendenFall, wenn auch das letzte Glied in der Beweiskette fehlte,ein so hoher Grad von Wahrscheinlichkeit mindestens füreine moralische Mitschuld der Unabhängigen Sozialdemo-kraten an der Marineverschwörung, daß es mir geradezuungeheuerlich erschien, wenn jetzt ein großer Teil derbürgerlichen Parteien sich anschickte, die UnabhängigenSozialdemokraten als die gekränkte Unschuld zu schützenund sich gegen den Reichskanzler und Herrn von Capellezu wenden. Und doch ließ die Mehrheit des Reichstagsauch diesen Anlaß, ihre politische Unreife zu zeigen,nicht vorübergehen.
Den Reigen eröffnete namens des Zentrums Herr Trim-born, der es in noch verhältnismäßig milder Form als recht
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