Die bürgerlichen Parteien gegen den Kanzler
,, bedenklich und nicht angängig" bezeichnete, die Partei deUnabhängigen Sozialdemokraten in ihrer Gesamtheit ohneweiteres mit den gegen die drei Abgeordneten erhobenenBeschuldigungen in Zusammenhang zu bringen; er sprachferner die Erwartung aus, daß für diese Beschuldigungenhinreichend schlüssiges Material vorliege, das die Möglich-keit gebe, gegen die drei Abgeordneten wegen Hoch- undLandesverrats vorzugehen. Auch der Führer der National-liberalen, Dr. Stresemann, verlangte, daß gegen die dreiAbgeordneten ein strafrechtliches Verfahren eingeleitetwerde. Der Abgeordnete Naumann, der für die Fortschritt-liche Volkspartei sprach, ging erheblich weiter. Er prote-stierte feierlich dagegen ,,, daß man aus einem nicht voll-zogenen Verfahren hier entehrende Folgerungen gegenjemand zieht, der zur deutschen Reichs- und Volks-vertretung gehört“, und daß ein Vorgehen einzelner, selbstwenn es bewiesen sei, auf eine ganze Partei ausgedehntwerde; er fügte hinzu: ,, Durch das, was der Herr Reichs-kanzler vorhin gesagt hat, sind wir alle genötigt worden,nun für diese Partei und ihre Existenz recht einzutreten."
Der Sprecher einer bürgerlichen Partei brachte es alsozuwege, aus falsch verstandener Gerechtigkeit zu ver-langen, daß der Reichstag, weil vom Regierungstisch eineUngeschicklichkeit begangen worden war, für die Unab-hängige Sozialdemokratische Partei eintreten müsse, derenAgitation in Heer und Flotte, wie die Marineverschwörunggezeigt hatte, zum mindesten den Boden bereitete für
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