Sozialdemokratische Kampfansage gegen Michaelis
Daß bei diesem Verhalten der bürgerlichen Mehrheits-parteien die Mehrheitssozialisten einen doppelten Eiferzeigten, für die gekränkte Unschuld ihrer feindlichen Brüdereinzutreten, konnte nicht wundernehmen. Der Abgeord-nete Ebert ging mit ungewöhnlicher Schärfe mit demReichskanzler ins Gericht. Es sei unerhört, ohne dieAngeschuldigten vorher zu unterrichten, plötzlich mit soschweren Anklagen vor aller Öffentlichkeit im Parlamenthervorzutreten. Nach dem vorgetragenen Material seiendie erhobenen Anklagen nicht gerechtfertigt. Wenn dieHeeresleitung selbst die Politik in das Heer hineintrage,dann dürfe sie sich nicht beschweren, wenn ,, andereParteigruppen" ebenfalls im Heer Propaganda trieben.Der Reichskanzler habe mit seiner Erklärung der ganzenSache die Krone aufgesetzt: er habe kurzerhand eineganze Partei außerhalb des Rechts gestellt( wovon garkeine Rede war). Dies sei ein Rückfall in die Ausnahme-gesetzgebung. Eine solche Erklärung habe nur von einerRegierung erfolgen können, die sich ihrer großen Verant-wortung nicht bewußt und ihrer großen Aufgabe in keinerWeise gewachsen sei; ,, und ich spreche es weiter offenaus," fügte er hinzu ,,, jeder Tag, der das deutsche Volkfrüher von dieser Regierung befreit, wird von uns begrüßtwerden."
Das war eine Kampfansage in aller Form. Wer dasBestreben der bürgerlichen Mehrheitsparteien kannte,unter allen Umständen die geschlossene Front mit den
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