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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis

auch in nicht ganz geschickter Form-, gegen dieseWühlarbeit aufzutreten. Bei aller Loyalität, die ichdem Reichskanzler schuldete, konnte ich Herrn vonValentini nicht verhehlen, was ich auch gegenüber demKanzler selbst offen ausgesprochen hatte, daß auf dieDauer Herr Michaelis als Kanzler nicht zu haltensein werde; aber ebenso bestimmt sprach ich mich dahinaus, daß Herr Michaelis nicht vor den Triumphwagender Unabhängigen Sozialdemokraten gespannt werdendürfe. Bei einiger Besonnenheit auf seiten der Reichs-tagsparteien hätte sich ein erträglicher Ausweg findenlassen müssen.

An der nötigen Besonnenheit aber fehlte es ganzund gar.

Schon zwei Tage nach dem ersten Schritt der Mehrheits-parteien bei Herrn von Valentini erschien dort der Zentrums-abgeordnete Trimborn als Beauftragter der Mehrheits-parteien von neuem, um das Erstaunen auszusprechen,daß trotz der bei Herrn von Valentini erhobenen Vor-stellungen behauptet werde, Herr Michaelis solle bleiben,und um zu fragen, ob und wann die Mehrheitsparteienüberhaupt eine Antwort zu erwarten hätten. Herr vonValentini zeigte sich seinerseits erstaunt über das Drängen;nachdem man zwei Tage zuvor ausdrücklich betont habe,man wolle dem Kaiser die Freiheit der Entschließunglassen, müsse man ihm auch die Zeit für eine Entschließunggewähren.

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