Die Mehrheitsparteien gegen ein Verbleiben des Kanzlers
An dem Nachmittag desselben 25. Oktober besuchtemich der Abgeordnete Conrad Haußmann im Auftragseiner in der interfraktionellen Besprechung vereinigtenKollegen, um folgende Anfragen an mich zu richten:
1. ob es richtig sei, daß ich mich dem Abgang desHerrn Michaelis widersetze, oder daß ich ihn jedenfallsnoch bis zum Dezember halten wolle;
2. ob es richtig sei, daß ich einen Plan entworfen habeoder wenigstens befördere, der bezwecke, die Mehrheits-sozialdemokraten aus Anlaß des nächsten Kriegskredits indie Opposition zu drängen und dann eine neue Mehrheitmit scharfer Frontstellung nach links zu bilden.
Ich habe Herrn Haußmann, der diese Fragen sehroffiziell an mich richtete, zunächst privatim und persönlichich stand mit ihm persönlich stets auf einem gutenFuß meine Meinung über den Takt und die Klugheitsolcher Fragen gesagt und ihm dann offiziell erklärt:
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I. daß ich es ablehnen müßte, als Stellvertreter desReichskanzlers und Staatssekretär irgendwelche Erklä-rungen über meine Stellung zu dem Bleiben oder Gehendes Reichskanzlers abzugeben;
2. daß ich es stets als einen wesentlichen Erfolg derPolitik des Herrn von Bethmann Hollweg angesehen hätte,daß es gelungen sei, die Massen der sozialdemokratischenArbeiterschaft und ihre parlamentarische Vertretung inder vaterländischen Front zu halten; ich hoffte, daß diesesauch weiterhin möglich sein werde.
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