Das Vizepräsidium des Preußischen Staatsministeriums
sich nicht als Druckmittel für übertriebene Forderungenmißbrauchen lassen wolle. In dieser Besprechung erklärteich dem Kanzler erneut, daß ich nichts sehnlicher wünschteals meinen Rücktritt; ich fügte aber hinzu, daß ich nichtdaran dächte, ihn oder gar die Krone im Stich zu lassen;wenn man glaube, mich zu brauchen, stehe ich zur Ver-fügung; dann aber müßte ich für mich die ungeminderteAutorität meiner bisherigen Stellung als Vizekanzlerbeanspruchen.
Einen Augenblick schien es so, als ob die Ablehnungdes preußischen Ministerpräsidiums durch Herrn Friedbergund die scharf gegen links Front nehmende Begründungdieses Schrittes durch die ,, Nationalliberale Korrespondenz"ein Abrücken der Nationalliberalen von den Mehrheits-parteien zur Folge haben würde. Aber den Bemühungeneiniger Parteifreunde des Herrn Friedberg, die unter allenUmständen die ,, Parlamentarisierung" herbeiführen woll-ten, gelang es, einen neuen Umschwung herbeizuführen.Am Tag nach seiner Ablehnung war Herr Friedberg bereit,das Vizepräsidium, falls die anderen schwebenden Fragenbefriedigend erledigt würden, doch noch anzunehmen.
Ich hatte am Nachmittag des gleichen Tages, des7. November, abermals den Besuch des AbgeordnetenHaußmann, der mir u. a. berichtete, daß in der inter-fraktionellen Kommission eine von ihm veranlaßteErörterung über meine Person stattgefunden habe; dabeisei von allen Seiten, auch von den Sozialdemokraten, zum
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