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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis

Ausdruck gebracht worden, daß keinerlei persönlicheAnimosität gegen mich vorliege, daß man meine Leistungenanerkenne und wünsche, daß ich auch unter der neuenOrdnung der Dinge an leitender Stelle im Reichsdienstbleibe. Da nun aber einmal Übereinstimmung darüberbestehe, daß Herr von Payer Vizekanzler werden müsse,sei man auf den Gedanken der Schaffung eines neuenReichsamtes gekommen, dem die Bearbeitung der An-gelegenheiten der besetzten Gebiete und der auf dieFriedensverhandlungen bezüglichen Fragen zugewiesenwerden solle. Dieses neue Reichsamt solle mir angebotenwerden, und gleichzeitig sollte ich die Mitgliedschaft desPreußischen Staatsministeriums behalten. Die Mitgliederder interfraktionellen Kommission seien ausnahmslos mitdiesem Vorschlage einverstanden gewesen, und der Vor-schlag solle am Abend den vom Reichskanzler mit denweiteren Verhandlungen beauftragten StaatssekretärenGraf Roedern und von Kühlmann überbracht werden.

Ich antwortete Herrn Haußmann, daß mir das Ein-verständnis derjenigen Person zu fehlen scheine, auf diees doch in erster Linie ankomme, und das sei ich selbst.Ich sei bereit, zu gehen, wenn Kanzler und Kaiser michgehen ließen; aber ich sei nicht bereit, ein anderes Amtzu übernehmen.

Nach dem Besuch des Herrn Haußmann begab ichmich zum Grafen Hertling; ich bestand darauf, daß imInteresse der Sache wie auch meiner Person endlich in

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