Meine Rücktrittsabsichten
dem einen oder anderen Sinne Klarheit geschaffen werdenmüsse. Ich hätte nach wie vor in erster Linie den Wunsch,meinen Abschied zu erhalten; aber ich hätte keine Neigung,mich weiterhin in parlamentarischen Besprechungen undVerhandlungen zwischen meinen Kollegen und den Partei-führern als ,, corpus vile" behandeln und mich täglich dreimalin der Berliner Presse als lästigen Kleber hinstellen zulassen. Ich könne mir auch nicht denken, daß die Autoritätdes Kanzlers und der Krone aus dieser Art der Behandlungder Besetzung wichtiger Reichs- und Staatsämter ohnestarke Einbuẞe hervorgehen könne. Graf Hertling ant-wortete mir, er teile vollkommen meine Ansicht; es müsseunter allen Umständen jetzt Schluß gemacht werden; umsechs Uhr abends sollten die Staatssekretäre Graf Roedernund von Kühlmann die Parteiführer empfangen, aberlediglich, um sie anzuhören und ihnen für den nächstenTag die endgültigen Entschließungen in Aussicht zu stellen.Ich möchte mich durch keine Zeitungsangriffe undZwischenträgereien irremachen lassen; er wie der Kaiserrechneten unbedingt darauf, daß ich in meinem Amteausharrte.
Um sechs Uhr eröffneten die Vertreter der Mehrheits-parteien und der Nationalliberalen den StaatssekretärenGraf Roedern und von Kühlmann, sie wünschten die Er-nennung Friedbergs zum preußischen Vizepräsidenten undPayers zum Vizekanzler; beide Herren seien zur Übernahmedieser Posten bereit; die Besetzung eines preußischen
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