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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Mein Entlassungsgesuch

und sagte mir, es falle ihm furchtbar schwer, aber nach reif-licher Überlegung aller Umstände müsse er sich doch dazuentschließen, von meinem wiederholten Anerbieten, denPosten des Vizekanzlers freizugeben, Gebrauch zu machen.Er müsse, wenn wieder Ruhe einkehren solle, den Mehr-heitsparteien das Zugeständnis machen, den Vizekanzler-posten an Herrn von Payer zu geben. Meine Personmüsse aber dem Reiche erhalten bleiben, und er bittemich deshalb, alle Bedenken und Empfindlichkeitenzurückzustellen und das neu zu schaffende Reichsamtfür die besetzten Gebiete und die Friedensvorbereitungenzu übernehmen.

Ich erklärte mich bereit zur sofortigen Einreichungmeines Abschiedsgesuchs, das ich bisher nur auf denbestimmten Wunsch des Grafen Hertling zurückgehaltenhatte, lehnte es aber ab, ein neues Amt zu übernehmen.Speziell die Vorbereitung der Friedensverhandlungenmüsse angesichts des alle Ressorts umfassenden Arbeits-bereichs in den Händen des Kanzlers selbst oder desVizekanzlers liegen; wenn ersterer durch seine anderenGeschäfte an der Wahrnehmung dieser Aufgabe verhindertsei und der Vizekanzler wegfalle oder aus anderen Gründenfür die Vorbereitung der Friedensverhandlungen nicht inBetracht komme, so bliebe nach meiner Ansicht nur übrig,diese Aufgabe einer dem Auswärtigen Amt zu attachieren-den Stelle zu übertragen. Als ich bei meiner bestimmtenAblehnung blieb, bat mich Graf Hertling, als Minister

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