Mein Entlassungsgesuch
sei, ins Privatleben zurückzukehren; als freier Privatmannwürde ich meinen Rat und meine Mitwirkung, wo sieverlangt würden, nicht versagen.
Graf Hertling bat mich schließlich um die Ermächtigung,meinen an ihn gerichteten Brief vom 28. Oktober demKaiser vorlegen zu dürfen. Ich erklärte mich nicht nurdamit einverstanden, sondern erklärte mich bereit, sovielan mir liege, den Kaiser von der Unhaltbarkeit meinerStellung zu überzeugen.
Eine halbe Stunde später hatte der Reichskanzler meinan den Kaiser gerichtetes Gesuch um Entlassung ausmeinen Ämtern als Stellvertreter des Reichskanzlers undMitglied des Preußischen Staatsministeriums in Händen.
Dem Kaiser, der den Grafen Hertling am Nachmittagempfing, stellte dieser vor, daß er, falls Seine Majestätmein Gesuch um Enthebung von dem Amte des Vize-kanzlers und die Berufung des Herrn von Payer auf diesenPosten ablehne, seine Mission als gescheitert ansehen undsein Amt als Reichskanzler niederlegen müsse. GrafHertling hat mir später erzählt, der Kaiser habe erst,nachdem er von meinem Brief vom 28. Oktober Kenntnisgenommen hatte, sich zu der Bewilligung meines Abschiedsbereit gefunden. Der Kaiser teilte mir die Genehmigungmeines Abschiedsgesuches in einem ungewöhnlich herz-lichen Handschreiben mit, an dessen Schluß er dieErwartung ausdrückte, daß ich mich zur Erfüllungbesonderer Aufgaben zu seiner Verfügung halten würde.
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