Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis
Er hat mir diese Erwartung auch persönlich ausgesprochenmit dem ausdrücklichen Hinzufügen, daß er insbesonderefür die Friedensverhandlungen auf meine Dienste rechne.
Mit meiner Entlassung und der Ernennung des Herrnvon Payer zu meinem Nachfolger als Stellvertreter desReichskanzlers war die Krisis abgeschlossen. Der Übergangvon dem sogenannten ,, konstitutionellen Regime" zum,, parlamentarischen Regime" war in der Sache vollzogen.An der Spitze der Regierung des Reiches und Preußensstand als Reichskanzler und Ministerpräsident nunmehrein Mann, der lange Jahre hindurch als Abgeordneter derFührer der Zentrumspartei gewesen war. Sein Vertreterim Reich war der anerkannte Führer der Fortschritt-lichen Volkspartei und gleichzeitig der Mann des Ver-trauens der Mehrheitssozialisten, die mehr noch als seineeigenen Parteigenossen auf seiner Ernennung zum Vize-kanzler bestanden hatten. Vizepräsident des PreußischenStaatsministeriums war der nationalliberale ParteiführerDr. Friedberg. Soweit das Reich in Betracht kam, stelltediese Kombination eine Vertretung der parlamentarischenMehrheitsgruppierung dar, wie sie sich seit dem Beginnder Julikrisis entwickelt hatte. Für Preußen allerdingsstand hinter dem ,, Kabinett Hertling" keine parlamen-tarische Mehrheit, zumal da weder die Nationalliberalennoch das Zentrum des Preußischen Abgeordnetenhausesgeschlossen hinter dem wichtigsten Programmpunkte derneuen Regierung, dem gleichen Wahlrecht, standen. Die
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