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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Übergang zum parlamentarischen Regime

das parlamentarische System vertretenden Parteien gingenhier über das auf Grund des Dreiklassenwahlrechtsgewählte Parlament zur Tagesordnung über und anti-zipierten die künftige, auf Grund des gleichen Wahlrechtszu wählende Volksvertretung, in der sie für sich dieMehrheit glaubten erwarten zu können.

Ich weiß mich frei von persönlicher Empfindlichkeitund stehe nicht an zu bekennen, daß in den mehr alsdrei Kriegsjahren das alte ,, konstitutionelle Regime"versagt hatte. Mehr als jemals in Friedenszeiten wardie Regierung in diesem Kriege, der vom deutschen Volkedas Höchste und Letzte verlangte, auf die gutwilligeund verständnisvolle Unterstützung durch die Volks-vertretung angewiesen. In den ersten Kriegsjahren wurdeihr diese Unterstützung in dem Schwunge vaterländischerBegeisterung und in der Erkenntnis der Hochgefahr fürReich und Volk ohne Mäkeln und Markten gewährt. Aberallmählich wurde in der Empfindung des Volkes und seinerVertretung das Außerordentliche zum Alltäglichen. Dererste Grundsatz des Burgfriedens, daß während des Kriegesvon keiner Seite eine Veränderung des innerpolitischenStatus quo verlangt, geschweige denn erzwungen werdensollte, wurde preisgegeben, und damit wurde neben demKrieg nach außen der Kampf im Innern entfesselt. EinKampf unter ungleichen Bedingungen. Denn in ihmwaren diejenigen Volksteile und Parteien die stärkeren,die sich nicht scheuten, für die Durchsetzung ihrer

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