Volksvertretung und Regierung
die Regierung als ,, freiwilliger Regierungskommissar"eintreten zu müssen. Schon im Frieden ließ sich mitdiesem System nur schwer regieren, im Krieg wurde eszur Unmöglichkeit. Eine Regierung, die den größtenKrieg der Weltgeschichte zu führen hatte, durfte nichtdurch Reibungen mit dem Parlament, oft der kleinlichstenArt, bis nahezu an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit inAnspruch genommen werden; sie durfte nicht fortgesetztdurch Angriffe aus der Volksvertretung heraus und vonder an den Vorgängen in der Volksvertretung sicherregenden Presse und öffentlichen Meinung gegenüberdem Ausland in ihrer Autorität geschwächt werden.Beides aber trat mit der zunehmenden Dauer des Kriegesin steigendem Maße ein. Es wurde mir mitunter alsUnfreundlichkeit gegenüber dem Reichstag verdacht, wennich mir erlaubte, darauf aufmerksam zu machen, daß dieReichsleitung, und namentlich die Herren des wirtschaft-lichen Reichsressorts, in diesem Kriege noch etwas ande-res zu tun hätten, als tagaus tagein in meist recht frucht-losen Verhandlungen im Reichstag und seinen Ausschüssenihre Zeit zu verbringen. In Wirklichkeit ist durch dieZeit und Kraft, die der Reichstag mir und meinen Mit-arbeitern überflüssigerweise entzogen hat, die wirtschaft-liche Kriegführung immer empfindlicher geschädigt undbeeinträchtigt worden. Und das gewohnheitsmäßige Be-tonen und Unterstreichen eines jeden Gegensatzes zurReichsleitung, dazu der mit der Dauer des Krieges immer
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