Die Kanzlerschaft des Herrn Michaelis
5. November wurde der Tagliamento überschritten. WenigeTage später standen unsere Truppen am Piave. Die italie-nische Armee war auf das schwerste erschüttert und durchgroße Verluste an Menschen und Material geschwächt.Italien mußte sich an seine Verbündeten um Hilfe wenden.Im Westen boten Engländer, Franzosen und ihre Hilfs-völker alle Kraft auf, um den Krieg vor dem Winter zurEntscheidung zu bringen. Aber die gewaltigen Vorstößein Flandern, am Chemin des Dames und vor Verdunkamen über örtliche Erfolge nicht hinaus und liefen sichim Laufe des November tot. Die nicht unwesentlichenVorteile, die gegen Ende November die Engländer ineinem überraschend angesetzten, mit zahlreichen Tanksarbeitenden Angriff bei Cambrai errangen, wurden ihnendurch einen mächtigen deutschen Gegenstoß wiederentrissen. Als der Winter kam, hatte sich überall imWesten der gewaltige Anprall der feindlichen Massen undMaschinen unter den schwersten Verlusten an demelastischen System unserer. Verteidigung gebrochen. Wieunsere Oberste Heeresleitung die Lage im Westen beurteilte,ergab sich für mich aus einer Äußerung, die GeneralLudendorff, als ich im Laufe der zweiten Novemberhälftedas Große Hauptquartier besuchte, mir gegenüber tat.Er bezeichnete es als möglich, daß der Augenblick kommenwerde, wo wir an der Westfront aus der Verteidigung zumAngriff übergehen und dadurch vielleicht die Entscheidungdes Krieges herbeiführen könnten.
238