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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Rußland gegen die deutsche Formulierung

der Verhandlungen in Brest- Litowsk vereinbarten Termin,an die Regierungen der Vierbundmächte gefunkteVorschlag, die Friedensverhandlungen nach Stockholm.zu verlegen, zumal da dieser Vorschlag von der sum-marischen Feststellung begleitet war, daß die russischeRegierung den vom Grafen Czernin am 25. Dezember1917 gemachten Vorschlag also nicht etwa erst, dieKühlmannsche Formulierung vom 27. Dezember alsdem Grundsatz der freien Selbstbestimmung der Völkerwidersprechend ansehe.

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Graf Hertling teilte daraufhin in dem am 4. Januar1918 zusammengetretenen Hauptausschuß des Reichs-tags mit, er habe Herrn von Kühlmann ermächtigt, dieVerlegung der Friedensverhandlungen nach Stockholmabzulehnen; abgesehen davon, daß wir nicht in der Lageseien, uns von den Russen den Ort der Verhandlungen vor-schreiben zu lassen, sprächen gegen Stockholm technischeSchwierigkeiten der telegraphischen Verbindung mit denHauptstädten der beteiligten Staaten sowie die Gefahrvon Machenschaften der Entente. Graf Hertling konnteseiner Mitteilung hinzufügen, daß inzwischen bevoll-mächtigte Vertreter der Ukraine, die sich am 19. Dezember1917 zur selbständigen Volksrepublik erklärt hatte, inBrest- Litowsk eingetroffen seien, und daß wir ganz ruhigmit den Vertretern der Ukraine weiterverhandeln würden.Die feste Haltung Deutschlands und seiner Verbündetenhatte zur Folge, daß bereits am 5. Januar die Petersburger

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