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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Der Ost- Friede

eine scharfe Beleuchtung erfahren. Immerhin war dieVerhandlung bis zu dem am 28. Dezember gefaßtenVertagungsbeschluß in guten Formen geführt worden.

In Petersburg dagegen schlug man sofort eine andereTonart an. Durch die offiziöse Petersburger Telegraphen-agentur wurde über die Sitzung vom 28. Dezember einBericht verbreitet, der dem Vorsitzenden der russischenDelegation im Wege freier Erfindung die schärfsten Worteder Kritik und des Protestes gegen die KühlmannscheFormulierung in den Mund legte, in der Absicht, die deutscheVertretung eines illoyalen und unanständigen Vorgehenszu beschuldigen. Außerdem ließ die Petersburger Regie-rung eine wahre Flut von Funksprüchen und Aufrufenlos, die gröbliche Beschimpfungen der deutschen Heer-führer und Heereseinrichtungen sowie Aufforderungenrevolutionären Charakters an die deutschen Truppen undArbeitermassen enthielten.

Der schon bei Beginn der Waffenstillstandsverhand-lungen durch das Verhalten der russischen Delegation und,mehr noch, der russischen Regierung entstandene Ver-dacht, daß es den führenden Männern des bolschewistischenRußland in erster Linie auf die Propaganda für die Revo-lutionierung der breiten Massen und der Armeen deranderen kriegführenden Länder ankomme, wurde jetztzur unabweisbaren Gewißheit. Wenn irgend etwas dieseGewißheit weiter verstärken konnte, so war es der am2. Januar 1918, zwei Tage vor dem für den Wiederbeginn

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