Entscheidung der Verbündeten
Trotzkis geschaffene Zustand, der den Frieden ,, via facti"herbeiführe, akzeptiert werden müsse. Er behauptete später,daß auch Herr von Kühlmann, trotz seines vorsichtigenVorbehaltes in der Sitzung selbst, sich dieser Auffassungangeschlossen habe, und daß einzig und allein der GeneralHoffmann eine abweichende Haltung eingenommen unddie Kündigung des Waffenstillstandes, den Vormarschnach Petersburg und die militärische Unterstützung derUkraine gefordert habe.
In der Tat vertrat Herr von Kühlmann, der alsbaldnach Deutschland zurückkehrte, gegenüber den Forde-rungen der Obersten Heeresleitung einen Standpunkt, dersich demjenigen des Grafen Czernin näherte. Demgegen-über verlangte das Große Hauptquartier, daß TrotzkisErklärung als Kündigung des Waffenstillstandes behandeltund sofort nach Ablauf der siebentägigen Frist mit demVormarsch der deutschen Heere in Estland und Livlandund dem Einmarsch in die von den Sowjettruppenauf das äußerste bedrängte Ukraine beantwortet werdenmüsse. Die offiziöse ,,, Norddeutsche Allgemeine Zeitung"dagegen veröffentlichte eine Zuschrift eines Staatsrechts-lehrers, in der ausgeführt wurde, die Erklärung Trotzkishabe hinsichtlich des Waffenstillstandes zur Folge, daßdie Feindseligkeiten erst wieder aufgenommen werdenkönnten, wenn der Waffenstillstand unter Einhaltungder vertragsmäßigen Fristen ausdrücklich gekündigtworden sei.
19 Helfferich, Weltkrieg III
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