Interessenkonflikte
nach dem Kriege" den Bezug von Getreide und Futter-mitteln sowie von Petroleum aus Rumänien nach jederMöglichkeit zu sichern. Außerdem mußte unserem Inter-esse an den durch Rumänien nach der Levante führendenVerkehrswegen, sowohl an den Eisenbahnen wie an demDonauwege, Rechnung getragen werden. Die Frage derBahn von Cernavoda nach Constantza und der dem Zugdieser Bahn folgenden Röhrenleitung für Petroleum, ebensodie Frage des Hafens von Constantza waren in dieser Bezie-hung besonders wichtig, und zwar sowohl für Deutschlandund Österreich- Ungarn als auch für Rumänien. Denn wenndie Dobrudscha, wie Bulgarien dies wünschte, an Bulgarienkam, beherrschte dieses die gesamten Eisenbahnwege derMittelmächte nach dem Schwarzen Meer und war Rumänienvon jeder eigenen Bahnverbindung nach dem Meereabgeschlossen. Es mußten deshalb hier besondere Ab-machungen zur Sicherung des Verkehrsinteresses derMittelmächte und Rumäniens vorgesehen werden.
Österreich- Ungarn war an den rumänischen Verkehrs-wegen sowie an der Sicherung des Bezugs von rumänischemGetreide in ähnlicher Weise interessiert wie wir. In derPetroleumfrage war die Position der Donaumonarchie inso-fern von der unsrigen verschieden, als Österreich- Ungarnin Galizien über eigene große Petroleumvorkommen ver-fügte, die mit den rumänischen in Konkurrenz standen,und als österreichisch- ungarisches Kapital in der ru-mänischen Petroleumindustrie, in der große deutsche
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