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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Wirtschaftliche Forderungen

drücken, und waren deshalb, mehr als Österreich- Ungarn,darauf angewiesen, die Sicherung unserer großen wirtschaft-lichen und auch politischen Interessen in Rumänien inder Herstellung von Beziehungen zu suchen, bei denenauch Rumänien seinen Vorteil finden konnte.

Mit diesen Gesichtspunkten schien mir ein erheblicherTeil der Forderungen, die für die Friedensverhandlungenmit Rumänien aufgestellt worden waren, nicht in Einklangzu stehen. Vor allem schienen mir die teilweise von demAuswärtigen Amt, teilweise von der Obersten Heeres-leitung ausgearbeiteten Vertragsbestimmungen über diePetroleumfrage und das Eisenbahnwesen über das Zielhinauszuschießen. Der Entwurf der handelspolitischenAbteilung des Auswärtigen Amtes verlangte nichts wenigerals die Überlassung des gesamten Bergregals, natürlicheinschließlich der Schürf- und Ausbeuteberechtigungen aufPetroleum, an das Deutsche Reich. Außerdem sollte.Rumänien sein ganzes Eisenbahnnetz an eine von Deutsch-land zu kontrollierende Gesellschaft abtreten. Wenndaneben die Oberste Heeresleitung die heikle Frage derBahn Cernavoda- Constantza und des Hafens Constantzadurch den territorialen Erwerb der Bahn und des Hafensund eines Geländestreifens zu beiden Seiten der Bahnregeln wollte, so mußte das einen schweren Konflikt mitBulgarien und, wenn wir für den Augenblick diese Forde-rung durchsetzten, eine dauernd schwere Belastung unseresVerhältnisses zu diesem Balkanstaat bilden.

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