Der Ost- Friede
Vermittlung auch auf die gleichfalls in mich Vertrauensetzende türkische Regierung nicht ohne Einfluß bleibenwerde. Ich erklärte mich schließlich bereit, den Auftragzu übernehmen, jedoch unter der ausdrücklichen Voraus-setzung, daß mir in den Stand der Streitfragen alsbaldvoller Einblick gegeben werde und daß ferner vor demBeginn meiner Verhandlungen mit Herrn Tontschew eineklare politische Direktive festgestellt und ein einheitlichesVerhalten sämtlicher an den Streitfragen mit Bulgarienbeteiligten deutschen Stellen, einschließlich der OberstenHeeresleitung, gesichert werde.
Die Prüfung der Sachlage zeigte, wie scharf die Meinungs-verschiedenheiten zwischen Reichskanzler und AuswärtigemAmt einerseits, der Obersten Heeresleitung andererseitssich zugespitzt hatten. Unglücklicherweise wurde derKanzler am Ostersonntag von einem Unwohlsein befallen,das ihn für einige Tage von allen Geschäften ausschaltete;der Staatssekretär des Auswärtigen hatte sich zu einem Vor-trag beim Kaiser nach Süddeutschland begeben. Als gegenEnde der Woche nach Ostern ein gemeinschaftlicher Vortragbeim Kanzler wieder möglich wurde, empfahl ich auf dasdringendste, vor der Einleitung irgendwelcher materiellerVerhandlungen mit dem inzwischen in Berlin eingetroffenenHerrn Tontschew die zu verfolgende Linie durch einepersönliche Aussprache mit Hindenburg und Ludendorffherbeizuführen, eventuell Herrn Tontschew gleich mitnach dem Großen Hauptquartier zu nehmen. Nach meiner
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