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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Der Ost- Friede

auseinander: Die Anhänger der ,, östlichen Orientierung",die in einem starken, zu Deutschland in freund-schaftlichen Beziehungen stehenden Rußland für dieZukunft ein notwendiges Gegengewicht gegen das Angel-sachsentum erblickten, standen zu der Frage, ob wirdas Auseinanderfallen des Russischen Reiches und dieinnere Schwächung Großrußlands begünstigen oder hemmensollten, naturgemäß anders als diejenigen Politiker, diein dem Wiedererstehen des russischen Kolosses die größteGefahr für Deutschland erblickten und die Solidarität derwesteuropäischen Kultur gegenüber dem halbasiatischenRussentum hochhielten. Dazu kamen die völkischenVerpflichtungen, die uns die Stammesverwandtschaft derDeutschbalten auferlegte. Außerdem hatte unsere Politikin den russischen Fragen Rücksichten zu nehmen aufunsere Bundesgenossen, von denen vor allem Österreich-Ungarn, aber auch die Türkei ihre eigenen unmittelbarenInteressen an der Lösung des russischen Problems wahr-nahmen. Schließlich wurden die Ostfragen überschattetvon dem ganz neuen Problem des russischen Bolschewis-mus, der nach seinen eigenen Kundgebungen sich in seinerAuswirkung nicht auf Rußland beschränken wollte, sonderndie Revolutionierung der Welt erstrebte.

Der Brester Friede hat nichts weniger als eine end-gültige Lösung dieser Probleme gebracht. Er konnte sienicht bringen, weil für eine endgültige Lösung die Ent-wicklung der Dinge in Rußland selbst noch nicht reif

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