Druckschrift 
Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
331
Einzelbild herunterladen
 

Die Frage der Randstaaten

wie sie sich zu der russischen Staatsgewalt verhaltensollten, darüber enthielt der Friedensvertrag nichts. Jeden-falls blieb hinsichtlich Estlands und Livlands die russischeRegierung als Inhaberin der Staatshoheit über jene Gebieteberechtigt, bei der künftigen Gestaltung mitzusprechen,während das Recht Deutschlands auf eine Mitwirkung beidieser Gestaltung nicht vorgesehen war; allerdings mußte.in einem künftigen Zeitpunkt eine Verständigung zwischenRußland und Deutschland darüber nötig werden, ob dieVoraussetzungen der Räumung Estlands und Livlandsvon der deutschen ,, Polizeimacht" gegeben seien.

Der Brester Vertrag schuf also für die uns benachbartenRandgebiete nur einen Rahmen, der vorläufig noch desBildes entbehrte. Die Politik der Mittelmächte undinsbesondere Deutschlands hatte es in der Hand, wannund wie sie diesen Rahmen ausfüllen wollte; sie hattedurchaus die Möglichkeit, sich dabei der weiteren Gestal-tung der Dinge in Rußland und der weiteren Entwicklungdes Krieges anzupassen.

Über die uns benachbarten Randgebiete hinaus nahmdie deutsche Politik während der Brester Verhandlungenpositiv Stellung zu der Frage der Lostrennung Finnlandsund der Ukraine vom russischen Reichskörper.

Schon Ende Dezember 1917 hatte der Reichskanzlereine finnische Delegation empfangen, die um die Aner-kennung der Unabhängigkeit Finnlands nachsuchte. DerReichskanzler hatte bei diesem Empfang sich darauf

331