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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Rede Lloyd Georges vom 19. Januar 1918

Bemerkenswert wie diese Rede war auch die sich darananschließende Debatte. So erklärte Lloyd George aufeine Anfrage, die elsaẞ- lothringische Frage müsse Frank-reich entscheiden, aber England müsse auf der SeiteFrankreichs stehen. Das war eine etwas mattherzigeUnterstützung des französischen Kriegsziels. Auf eineweitere Anfrage erklärte er, sobald die Deutschen die ge-ringste Geneigtheit zeigten, über einen Frieden auf billigerGrundlage zu verhandeln, werde auf englischer Seite nichtder geringste Widerspruch gegen die Anbahnung von Frie-densverhandlungen vorhanden sein. Das klang wesentlichweicher als die harten Worte des Hohnes, mit denen diebritische Regierung den deutschen Friedensvorschlagzurückgewiesen hatte.

Dazu kamen Anzeichen von Meinungsverschiedenheitenzwischen den Alliierten. Während die KundgebungenWilsons und Lloyd Georges genau aufeinander abgestimmtwaren, kamen aus Frankreich andersklingende Töne. Am12. Januar hatte Herr Pichon in der französischen Kammereine Interpellation über die Kriegsziele der Alliierten undüber die Verweigerung der Pässe an die französischenSozialisten, die in Petersburg mit der SowjetregierungFühlung nehmen wollten, zu beantworten. Während HerrWilson Worte hoher Sympathie für Sowjetrußland unddie von Trotzki proklamierten Friedensgrundsätze ge-sprochen hatte, erklärte Herr Pichon, die bolschewistischeRegierung werde von den Alliierten nicht anerkannt; sie

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