Druckschrift 
Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
428
Einzelbild herunterladen
 

Die Entscheidung

jedoch nach dem Hauptquartier gerufen, wohin der Kanz-ler bereits vorher gereist war. Dort fiel am 8. Juli die Ent-scheidung. Der Kaiser nahm Herrn von Kühlmann gegen-über die Initiative, indem er ihm rundheraus erklärte, nachdem Vorgefallenen werde man sich wohl trennen müssen.Daraufhin stellte Herr von Kühlmann natürlich sofortsein Amt zur Verfügung. Der Admiral a. D. von Hintze,zuletzt Gesandter in Norwegen, der sich bereits im GroßenHauptquartier befand, wurde zu seinem Nachfolger ernannt.

Diese Vorgänge fielen zusammen mit einer ohnediesnicht unbedenklichen Zuspitzung der inneren Lage.

Graf Hertling hatte bei den Verhandlungen, die er vorder endgültigen Annahme des Kanzleramts mit den Mehr-heitsparteien geführt hatte, bestimmte Zusagen inner-politischer Art gemacht: vor allem die Milderung desBelagerungszustandes und der Zensur, die Beseitigung des§ 153 der Gewerbeordnung und die Einbringung einesGesetzes über Arbeitskammern, die Vermehrung der Man-date der großen Reichstagswahlkreise und schließlich diealsbaldige Einbringung einer Vorlage über das allgemeine,direkte, geheime und gleiche Wahlrecht in Preußen.

Die Versprechungen waren weniger leicht zu verwirk-lichen, als sie gemacht worden waren.

Einigermaßen glatt vonstatten ging nur die Auf-hebung des§ 153 der Gewerbeordnung und das Gesetzüber die großen Reichtagswahlkreise. Dagegen stieß das

428