Zuspitzung der inneren Lage
Arbeitskammergesetz schon im preußischen Staatsministe-rium und dann im Bundesrat auf große Schwierigkeiten;als es glücklich an den Reichstag kam, wurde es zum Gegen-stand scharfer Auseinandersetzungen, die den Entwurfschließlich auf ein totes Gleis brachten.
Ganz unerquicklich gestaltete sich die Frage despreußischen Wahlrechts.
Zwar wurden die Vorlagen, die an Stelle des Dreiklassen-wahlrechts das allgemeine und gleiche Wahlrecht setzenund in Verbindung damit auch das Herrenhaus reformierensollten, im Herbst 1917 an den Landtag gebracht. Aberder Erledigung dieser Vorlagen türmten sich Hemmnisseentgegen, die zu überwinden die Regierung nicht starkgenug war. Ich hatte, als im Staatsministerium die Reformdes preußischen Wahlrechts vor der Osterbotschaft desKaisers und Königs diskutiert wurde, mich dahin aus-gesprochen, daß das gleiche Wahlrecht, wenn es jetzt vonKönig und Regierung als Ziel aufgestellt werde, auch sobald wie möglich durchgesetzt werden müsse; denn es er-schien mir im höchsten Maße bedenklich, bei einer längerenDauer des Krieges diese einmal von oben aufgenommeneFrage auf unabsehbare Zeit den Gegenstand scharfer inner-politischer Kämpfe bilden zu lassen. Die Richtigkeit dieserEmpfindung ist leider durch den Verlauf der Dinge be-stätigt worden. In endlosen Verhandlungen beschäftigtensich erst das Abgeordnetenhaus und seine Kommission,dann auch das Herrenhaus mit den Reformvorlagen,
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