Die Entscheidung
ohne zu einem Schluß zu kommen. Nicht nur die Konser-vativen und der größte Teil der Freikonservativen, sondernauch ein Teil des Zentrums und der Nationalliberalen, dieman durch die Ernennung des Herrn Dr. Friedberg zumVizepräsidenten des Staatsministeriums hatte gewinnenwollen, blieben in der Opposition gegen das gleiche Wahl-recht. Als die zweite Lesung im Abgeordnetenhause zueinem ungünstigen Schluß zu kommen schien, empfing derKanzler eine Delegation von Vertretern der Arbeiterorgani-sationen und gab ihnen die beruhigende Zusicherung, daß ermit dem gleichen Wahlrecht stehe und falle. Das war am27. April. Am 2. Mai lehnte das Abgeordnetenhaus dasgleiche Wahlrecht ab. Die dritte Lesung hatte kein besseresErgebnis; sie kam mit 236 gegen 185 Stimmen zur Ab-lehnung, brachte aber auch keine Mehrheit für irgend-einen anderen Antrag, so daß der wichtigste Punkt der Vor-lage offen blieb. Herr Dr. Friedberg erklärte, die Staats-regierung halte am gleichen Wahlrecht unverrückbar festund sei entschlossen, zu seiner Durchführung alle verfas-sungsmäßigen Mittel in Anwendung zu bringen; aber auchdas Herrenhaus müsse noch Stellung nehmen; sollte diesesdem Gang der Gesetzgebung entsprechende Verfahreninnerhalb angemessener Frist nicht zum Ziel führen, sowerde die Auflösung des Abgeordnetenhauses zu demersten Zeitpunkt erfolgen, zu dem dies nach dem pflicht-gemäßen Ermessen der Staatsregierung mit der Kriegslagevereinbar sei.
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