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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
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Opposition gegen das gleiche Wahlrecht

Auch diese Erklärung brachte die Sache nicht vorwärts.Am 11. Juni wurde das gleiche Wahlrecht in vierter Lesungabermals abgelehnt; und zwar war dieses Mal die Minder-heit für das gleiche Wahlrecht noch weiter von 185 auf164 Stimmenzusammengeschmolzen.

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Es war den Männern des Kabinetts Hertling nicht ge-geben, die widerstrebenden Parteien und Parteigruppendavon zu überzeugen, daß das einmal auf Grund einerfeierlichen Ankündigung der Krone eingebrachte gleicheWahlrecht unter keinen Umständen abgelehnt werdenkönne und daß jede Verzögerung in seiner Annahmedie ohnedies schwierige innere Lage noch weiter belasten

müsse.

Zu alldem kam der immer schwerer werdende Druck derKnappheit an den Gegenständen des dringendsten Bedarfsund der immer krasser zutagetretende Unfug des Schleich-handels und des Preiswuchers.

Die Agitation der Unabhängigen Sozialdemokraten fandin diesen Verhältnissen einen günstigen Boden. Sie nahmnicht nur in der heimischen Bevölkerung überhand, son-dern griff auch mehr und mehr auf die Armee und Marineüber. Die Regierung hätte durch die Vorkommnisse in derFlotte im August 1917 gewarnt sein können. Aber sie ließdie Dinge gehen, offenbar nicht nur in einer Unterschätzungder tatsächlichen Gefahr, sondern auch weil sie die Har-monie mit den Mehrheitsparteien als ein politisches Ak-tivum ansah, das nicht durch ein scharfes Zugreifen auf

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