v. Hintze Staatssekretär des Äußeren
entbehrt werden könne. Herr von Hintze sei ein sehrgenauer Kenner der russischen Verhältnisse, sei lange alsMilitärbevollmächtigter in Petersburg gewesen und habegroße Reisen durch Rußland gemacht. ,, Aber es verstehtsich von selbst," so fuhr der Kanzler fort ,,, daß ich meineGegenzeichnung zu der Ernennung des Herrn von Hintzenur gebe, wenn Herr von Hintze meine Politik und nichtseine eigene verfolgt. Dafür habe ich aber bereits in denZusagen des Herrn von Hintze die Ernennung ist nochnicht erfolgt meinerseits die feste Bürgschaft. Ich
-
mache die Politik."
Stolze Worte. Die Auguren lächelten und gaben sichzufrieden. Nur Herr Scheidemann erklärte, er könne nach.den Ausführungen des Reichskanzlers, nach denen sichin unserer Politik nichts geändert habe, nicht verstehen,warum Herr von Kühlmann den Abschied erhalten habe.Aber die Mehrheitsparteien, einschließlich der Mehrheits-sozialisten, wollten keine offene Krisis. Sie wollten, ebensowie die Regierung, trotz der Etatsverweigerung seitensder Sozialdemokraten und der Verabschiedung Kühl-manns, die ihnen erwünschte und bequeme Fiktion einerMehrheitsregierung aufrechterhalten und ließen infolge-dessen einen Zustand bestehen, der in sich selbstunmöglich geworden war.
28*
435