Zuspitzung der Verhältnisse in Rußland
der ,, Außerordentlichen Kommission zur Bekämpfung derGegenrevolution", die stark mit Anhängern dieser Parteidurchsetzt war. Unmittelbar vor dem Attentat war inVersammlungen der Linken Sozialrevolutionäre unterBerufung auf die Unterstützung, die Deutschland in derUkraine dem gegenrevolutionären Hetman Skoropadskigewähre, sowie auf die Lebensmittel- und Warenliefe-rungen, die Deutschland dem russischen Volke abpresse,stark gegen die deutsche Vertretung gehetzt worden. AmTage vor dem Attentat hatten auf dem allrussischenRätekongreẞ namhafte Führer der Partei, vor allemFrau Spiridonowa, leidenschaftliche und aufreizende Redengegen Deutschland gehalten und tosende Kundgebungengegen den Grafen Mirbach hervorgerufen. Jetzt, nach demAttentat hatten sich die Mörder des Grafen Mirbach in dasHauptquartier der Linken Sozialrevolutionäre, in die großeKaserne am Pokrowski- Boulevard, geflüchtet, waren dortmit einer Anzahl ihrer Gesinnungsgenossen eingeschlossenund belagert worden, aber schließlich unter einigermaßenrätselhaften Begleitumständen entkommen. Die russischeRegierung zeigte zwar großen Eifer in der Entschuldi-gung für das Attentat, jedoch wesentlich geringeren Eiferin der Verfolgung der Täter und der Anstifter. Zwarüberreichte sie schließlich unserem Geschäftsträger eineListe von mehr als hundert Leuten, die wegen angeblicherBeteiligung an dem Attentat erschossen worden seien; aberdie Täter und Hauptanstifter waren nicht darunter.
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