Die Entscheidung
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Die Bolschewikiherrschaft stand gerade damals sicht-barlich auf zu schwachen Füßen, als daß die Möglichkeiteines Umschwungs, auch eines nahen Umschwungs, alsnicht vorhanden betrachtet werden durfte. Auch heutenoch, nachdem gegen alles Erwarten und auch gegen meinedamals gewonnene Ansicht die Lenin und Trotzki- nichtzuletzt dank der von den maßgebenden Personen in Berlinsich an der Herrschaft gehaltenverfolgten Politik!haben, kann ich eine Politik nicht für richtig halten, dieRußland und den Bolschewismus identifizierte und dasim Augenblick unterdrückte nicht bolschewistische Ruẞ-land glaubte ignorieren zu können. Kam aber der Um-schwung, ohne daß wir vorher das Tischtuch zwischenuns und den Bolschewiki zerschnitten hatten, dann kamer gegen uns, und zwar unter unmittelbarer Führung derEntente, die offensichtlich auf eine solche Entwicklunghinarbeitete, um uns vor eine neue Ostfront zu stellen.
Die Meinung von der schwer gefährdeten Stellung derBolschewikiherrschaft erfuhr für mich eine Bestätigungin dem Ersuchen Tschitscherins um unsere bewaffneteHilfe. Nur wenn die Sowjetregierung selbst zu der Ansicht' gekommen war, daß sie ohne unsere Hilfe verloren sei,konnte sie sich zu einem solchen Schritt entschlossenhaben.
Sollten wir ihr diese Hilfe leihen, nicht nur gegen dieEntente im Norden, sondern auch gegen die Kosakenim Südosten, und uns damit auf Gedeih und Verderb
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