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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Entscheidung

Der Friedensschritt der Mittelmächte vom Dezember 1916habe nicht zu dem erhofften Erfolg geführt, habe aberwenigstens bewirkt, daß die Friedensfrage seither nichtmehr von der Tagesordnung verschwunden sei. Wennauch die seither vor dem Tribunal der Öffentlichkeitgeführte Diskussion die Gegensätzlichkeit bewiesen habe,die jetzt noch die Auffassung der kriegführenden Mächtevon den Friedensbedingungen trenne, so habe sich doch eineAtmosphäre gebildet, welche die Erörterung des Friedens-problems nicht mehr ausschließe. Ohne übertriebenenOptimismus könne man aus den Äußerungen verantwort-licher Staatsmänner mindestens so viel konstatieren,daß der Wille, zu einer Verständigung zu gelangen undden Krieg nicht ausschließlich durch die Macht der Waffenzur Entscheidung zu bringen, auch bei den alliierten Staatenallmählich doch durchzudringen beginne.

Der Schritt des Grafen Burian wirkte als Sensation.Er wurde allgemein dahin gedeutet, daß Österreich- Ungarnnicht mehr in der Lage oder nicht mehr gewillt sei, weiter-zukämpfen, und daß es sich, um zum Frieden zu kommen,entschlossen habe, ohne Rücksicht auf seine Bundes- ·genossen selbständig den Weg zum Frieden zu gehen.

Der Staatssekretär von Hintze war noch in der Wochezuvor zu Besprechungen mit dem Grafen Burian in Wiengewesen. Es war ihm weder gelungen, den Sonderschritt,den Graf Burian schon Mitte August in Spa angekündigthatte, abermals zu verhindern, noch ihm eine für Deutschland

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