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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Entscheidung

machten sich daran, ein Kabinett aus ihren Mitgliedernzu bilden.

Als neuer Kanzler wurde von ihnen zunächst der bis-herige Vizekanzler von Payer in Aussicht genommen.Dieser lehnte jedoch ab, sei es, weil er sich der ungeheurenAufgabe nicht gewachsen fühlte, sei es, weil aus den Reihenseiner eigenen Parteifreunde heraus Stimmung für einenanderen Kandidaten gemacht wurde: für den PrinzenMax von Baden. Dieser war mir schon in den letzten Tagender Kanzlerschaft des Herrn Michaelis von dem Abge-ordneten Conrad Haußmann als der gegebene Reichskanz-ler bezeichnet worden. Er war inzwischen durch einigeReden, die er als Präsident der Badischen Ersten Kammergehalten hatte, in der politischen Welt als ein Anhängereines Versöhnungsfriedens und als ein Mann von liberalenAnschauungen bekannt geworden. Schon im Dezember 1917hatte er das Wort von dem ,, Weltgewissen" gesprochen,das hinter unserer Kraft stehen müsse, um die Welt mituns zu versöhnen. In einer seiner späteren Reden rief erdas ,, Verantwortungsgefühl gegenüber der Menschheit"an, das erfordert hätte ,,, daß man die Hölle dieses Kriegesnicht noch einmal losließ, bevor der ehrliche Versuch ge-macht wurde, ob nicht die Differenzen zwischen den Krieg-führenden schon so weit geschwunden sind, daß Verhand-lungen sie überbrücken könnten". Und in seiner Rede ausAnlaß der Jahrhundertfeier der badischen Verfassungbezeichnete er die ,, Demokratisierung" als das Ziel unserer

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