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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Prinz Max von Baden Reichskanzler

politischen Entwicklung, mit dem Hinzufügen: Heuteenthält die Forderung nach äußerer Kraftentfaltung zu-gleich die Forderung nach innerer Freiheit."

Solche Worte waren eine starke Empfehlung bei denFührern der Mehrheitsparteien, die hier Geist von ihremGeist zu spüren glaubten. In den persönlichen Unterhal-tungen, die der alsbald nach Berlin gerufene Prinz mit denParteiführern hatte, verstärkte er diesen Eindruck durchseine gewinnende Liebenswürdigkeit. Sogar die Sozial-demokraten setzten sich über ihre anfänglichen Bedenkengegen die Inaugurierung der demokratischen Epoche durcheinen Prinzen und Thronfolger hinweg. Ob der Prinz dieKraftnatur sei, der allein in dem schwersten Sturm dasSteuerruder des Vaterlands anvertraut werden durfte,danach fragte niemand; im Gegenteil, die sich beim erstenGespräch aufdrängende Wahrnehmung, daß der liebens-würdige und wohlmeinende Prinz alles eher sei als eineKraftnatur, hat wohl nicht unwesentlich dazu beigetragen,die Begeisterung für seine Kandidatur bei gewissenFührern der Mehrheitsparteien zu erhöhen.

Am 3. Oktober wurde Prinz Max von Baden zum Reichs-kanzler und zum preußischen Minister der AuswärtigenAngelegenheiten ernannt. Der Posten des preußischenMinisterpräsidenten blieb unbesetzt! Beigegeben wurdenihm als Staatssekretäre ohne Portefeuille die Zentrums-führer Gröber und Erzberger sowie der SozialdemokratScheidemann, derselbe, der vor Jahren den Verrat als

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