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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Entscheidung

überschattenden Schicksalsfrage: Wie sichern wir in derfurchtbaren Zwangslage, in die wir durch die militä-rischen Ereignisse gebracht worden sind, annehmbareBedingungen für Waffenstillstand und Frieden?

Ich kam am 1. Oktober von einer kurzen Reise nachBerlin zurück. Was ich am Vormittag im Auswärtigen Amt,am Nachmittag vom Grafen Roedern über die militärischeund politische Lage und über die im Werden begriffenenEntschlüsse hörte, erschütterte mich auf das tiefste. DieDarstellung ging dahin, daß wir nach den Erklärungen derObersten Heeresleitung auf dem westlichen Kriegsschau-platz vor einer Katastrophe stünden, daß jeder Augenblickden Durchbruch des Feindes und die völlige Zertrümmerungunseres Heeres bringen könne. Unter diesen Umständenbleibe nur das von Ludendorff ungestüm verlangte so-fortige Ersuchen um Waffenstillstand. Der Zusammen-bruch im Innern könne nur durch die sofortige und völligeDemokratisierung unserer staatlichen Einrichtungen ver-hindert werden. Um auf dem sichersten und raschestenWege den Waffenstillstand herbeizuführen, sei ein Schrittbei dem Präsidenten Wilson geplant, der unter grundsätz-licher Annahme der 14 Programmpunkte seiner Rede vom8. Januar 1918 um seine Vermittlung gebeten werden solle.Alles in mir lehnte sich gegen den Gedanken auf, daßHindenburg und Ludendorff mit ihrem Stab es dahinhätten kommen lassen können, daß wir jetzt unter demDruck eines unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs

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