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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Ludendorffs Ersuchen um sofortige Waffenstillstandsverhandlungen

Ich

zum Ersuchen um sofortigen Waffenstillstand, das unterdiesen Verhältnissen nur die Einleitung zur schmählichstenKapitulation sein konnte, gezwungen sein sollten.verwies auf Ludendorffs heftiges Temperament, dem erstarken und mitunter übertreibenden Ausdruck zu gebenliebe. Ich beschwor meine Freunde, dahin zu wirken, daßnicht unter einem vielleicht falschen Eindruck, wie ihnLudendorffs Art bei Leuten, die ihn nicht genau kannten,leicht hervorrufen könne, in einer Panikstimmung Ent-schlüsse gefaßt würden, die das Verderben unentrinnbarmachten. Wenn aber Ludendorff es wirklich habe dahinkommen lassen, daß wir jetzt mit dem Rücken am Ab-grund um sofortigen Waffenstillstand betteln müßten, dannhabe er einen solchen Mangel an Augenmaß gezeigt, daßauch sein Urteil über die jetzige Situation nicht maẞ-gebend sein könne für die schwersten Entschlüsse, die je.von der Reichspolitik zu fassen waren; dann müßten sofortund vor allem weiteren die Armeeführer darüber gehörtwerden, wie sie die Möglichkeit einer weiteren schrittweisenVerteidigung während der für die Verhandlungen nötigen

Zeit beurteilten.

Auch heute noch bin ich der Meinung, daß eine Politik,die uns vor dem Schlimmsten bewahrt hätte, damals nochmöglich gewesen wäre. Der Feldmarschall von Hindenburghat sich nach den Mitteilungen des Obersten Bauer- wasdas Weißbuch vom 31. Juli 1919 nicht erwähnt- bei denam 3. Oktober 1918 in Berlin stattgehabten Beratungen

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