Die Entscheidung
Über die an Herrn Wilson zu erteilende Antwortwurden im Kriegskabinett unter Zuziehung des GeneralsLudendorff und des Chefs des Admiralstabs, des AdmiralsScheer, eingehende Beratungen gepflogen. Bei diesen Be-ratungen erklärte General Ludendorff, daß sich die mili-tärische Lage gebessert habe, daß er die Gefahr einerunmittelbaren Katastrophe nicht als gegeben erachte,daß die Verteidigung mit Aussichten auf Erfolg fortgesetztwerden könne und daß eine bedingungslose Unterwerfungunter allen Umständen abgelehnt werden müsse. Gegendie von Wilson verlangte Einstellung des U- Bootkriegssprach sich Ludendorff mit Entschiedenheit aus; ebensoder Admiral Scheer.
Aber von der Mehrzahl der Mitglieder des Kriegskabinettswurde die Besserung der militärischen Lage, die übrigensauch von unseren Feinden zugegeben werden mußte, mitstarken Zweifeln aufgenommen. Noch lange hinterherwurde gegen den General Ludendorff der Vorwurf erhoben,daß er bei jenen Beratungen nun mit einem Mal dieSituation an der Westfront günstiger dargestellt habe alsdrei Wochen zuvor.
Jedenfalls kam das Kriegskabinett über das VotumLudendorffs und Scheers hinaus zu dem Beschluß, auchden neuen Forderungen Wilsons zu entsprechen. Aucheine eindringliche Vorstellung, die der Feldmarschall vonHindenburg noch in der Nacht zum 20. Oktober unternahmund in der er insbesondere seine Zustimmung zu der
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